Rechtsextremismus und der CFC


Christian Neubauer tritt als Listenplatz 1 im Wahlkreis 6 zur Kommunalwahl in Chemnitz an. (Kapellenberg, Kappel, Helbersdorf, Morgenleite, Hutholz)

Wieder einmal hat es gekracht in Chemnitz. Wieder ist Chemnitz wegen Neonazis in der bundesweiten Presse. Unsere Stadt steht nicht grundlos in der Kritik. Schon seit DDR-Zeiten gehen Rassisten und Nationalisten beim FCK/CFC ein und aus. Dies tun sie so zuverlässig, dass sie dort auch nach der Wende eine Lebensgrundlage fanden, die gleichzeitig dafür sorgte, dass sie nicht zu Wendeverlierern wurden und auch ihren Hang zur Gewalt ausleben konnten.

HooNaRa / Haller-Security

Dank dem kürzlich verstorbenen Herrn Haller, der seine Meute im Zusammenschluss HooNaRa (Hooligans-Nazis-Rassisten) zusammen sammelte, entstand am Spielfeldrand des erfolgreichsten Fußballclubs der Stadt ein rechtes Netzwerk, welches nicht nur in der Südkurve Fuß fasste. Herr Haller war aber nicht nur Netzwerker, sondern man sagte von ihm, dass er im Ernstfall eine ganze Kneipe verprügeln könnte. Und Herr Haller und seine Leute waren nicht nur zuverlässig da, sondern boten sich auch zuverlässig an. So konnte die 1990 gegründete Firma Haller Security die Bewachung des Stadions übernehmen und war auch gern gesehener Geschäftspartner bei Großevents in der Stadt.

Niemand [...] kann behaupten, nichts von Haller und seinen Jungs gewusst zu haben.

Im VIP Raum wusste jeder über Hallers Gesinnung Bescheid, und nach dem Spiel traf man sich manchmal noch im Pub a la Pub auf das Bier, mit dem man das Geschehen Revue passieren ließ und Südkurven-Stehplätze und VIP-Sitzplätze vereinte. Niemand im engeren Umfeld des CFC kann behaupten, nichts von Haller und seinen Jungs gewusst zu haben.
Auch andere Vereine wussten Bescheid. In anderen Städten wusste man Bescheid. Jeder Stadionbeschluss im Stadtrat passierte im vollen Wissen darüber, wer im Zweifel das Stadion voll in seiner Hand hat. Alle politischen Kreise waren irgendwie informiert und eingebunden, z. B. über die Fanbeauftragte, den Vorstand und Ehrenräte, die ihre Pappenheimer seit Jahren kennen. Ab 2007 wurde Haller Security nicht mehr offiziell engagiert, aber das Geschäft war nicht am Boden. Man verlieh seine Leute einfach über noch weitere Firmen weiter.

HooNaRa, NS Boys und Kaotic [...] jagte[n] alle, die fremdländisch aussahen.

Oft propagierte man, dass Politik im Stadion nix zu suchen hätte. Doch die Politik war bereits drin. Aus dem Umfeld des CFC und Ex-HooNaRa entstanden die NS Boys, Kaotic und andere Gruppen, die dem Sonnenberg und dem Rest der Stadt regelmäßig versuchten, ihren Stempel aufzudrücken. Ende August 2018 traf man sich in Chemnitz mit anderen Hooligangruppen und jagte Menschen, die fremdländisch aussahen, durch die Straßen. Vielleicht waren es jene Ereignisse, welche die Verantwortlichen brauchten, um das "Gedenken" in den Farben der Nationalsozialisten zu erlauben und zu unterstützen. Die Gewalt und der Hass gingen damals schließlich um die ganze Welt.

Nötigung und Bedrohungen

Scheinbar äußerte die Polizei große Sicherheitsbedenken. Inzwischen ist sogar von Nötigung und Bedrohungen die Rede. Das kann der Wahrheit entsprechen, doch am Ende will es natürlich niemand gewesen sein. Wie z. B. der Trainer der U14-Junioren, der schon vor Wochen Pro Chemnitz Inhalte kommentierte, Haller als großes Leitbild bezeichnete und nun gestern ganz plötzlich festgestellt haben will, dass sein Account gehackt wurde um zu kondolieren.

Fußball ist ein Macht- und Politikspiel. Politiker aller Parteien tummeln sich gern am Wochenende im Stadion, denn bei welchem anderen Zeitvertreib kann man sich mal eben regelmäßig einem paar Tausend Menschen zeigen. Auf den Sitzplätzen sitzen regelmäßig CDU bis Linke. In die Südkurve drängen sich gern ProChemnitz und AfD. In den VIP-Räumen regieren und netzwerken die alten weißen Männer, die alles behaupten würden, um ihre Investitionen zu schützen. Die Ratsentscheidungen für finanzielle Zuwendungen und Stadionbau wurden stets von diesen alten weißen Männern in ihren Redebeiträgen dominiert. Man präsentierte sich in Trikots oder sprach von großer Tradition. Nun sind sie hoffentlich ganz klein mit Hut. Nun sollten sie sich aus der Politik still und leise verziehen. Das wäre ein großes Glück für die Stadt, die schon viel Geld im Verein versenkt hat, teilweise auf sehr fragwürdiger Faktenbasis, an Gläubiger und in bodenlosen Finanzlöchern.

Der CFC: ein Bollwerk gegen Rechtsradikalismus?

Neue Vorstände sollten es richten, eine GmbH, ein geordnetes Insolvenzverfahren. Leider ist der Insolvenzverwalter nicht objektiv. Das hat er in der letzten Sitzung eindrucksvoll gezeigt. Vor ein paar Monaten drohte er damit, nichts gegen die rechtsextremen Umtriebe im Stadion zu unternehmen, wenn die Stadt nicht bei der Pacht entgegenkäme. Versüßen wollte er das, indem er dann den CFC zu einem Bollwerk gegen Rechtsradikalismus ausbauen würde. Das Stadion sollte Arena für Weltoffenheit, Toleranz und Fairness heißen. Kurz: die WTF-Arena.
Auf diesen miesen Deal wollten sich die Stadträte nicht einlassen. Die Namensrechte liegen jetzt bei der GGG, den Nachlass gab es trotzdem. Man begründete dies mit der notwendigen und förderungswürdigen Jugendarbeit im Nachwuchsleistungszentrum. Aber zu dem U14-Trainer mit der Sicherheitslücke haben wir ja schon etwas gelesen. Die Fraktion Vosi/Piraten, zu denen unser Kandiat Toni Rotter gehört, stellte einen Antrag darauf, rassistische und nationalistische Äußerungen und Taten in Zukunft zu ahnden und Stadionverbot zu verhängen. Hätten die anderen Räte da lieber mal zugestimmt.

Jetzt springen nachvollziehbarweise Sponsoren ab, Vorstände nehmen ihren Hut, die Fanbeauftragte aus der SPD-Stadtratsfraktion muss gehen und der Sprecher für die Stadiondurchsagen auch.
Aber wie soll man hier auch Ordnung reinbringen, dieses Bollwerk des Rechtsradikalismus auflösen oder bekämpfen? Vielleicht war von Anfang an der Plan der Oberbürgermeisterin, das Stadion so hübsch zu machen, dass sich völlig neue Menschen hinein trauen und sich so die Macht- und Mehrheitsverhältnisse auf den Rängen verändern. Das hat sichtbar nicht funktioniert. Vielleicht wollte man diesen Leuten auch einen goldenen Käfig bauen, der sie vom Rest der Stadt fernhält. Das hat ebenso nicht funktioniert.

Das Stadion ist noch immer [...] eine Schande für die Stadt.

Vielen ist es wichtiger, wie Chemnitz jetzt dasteht. Aber der Ruf ist hart erarbeitet worden, mehr als verdient. Es ist Zeit, etwas zu tun und sich einzugestehen, dass es nicht so weiter gehen kann wie bisher. Dass wir große Probleme mit Neonazis, Alltagsrassismus, Homophobie und auch Gewalt haben. Wenn wir Kulturhauptstadt 2025 werden würden, müsste man derzeit wirklich Angst um die Touristen haben.
Das Stadion ist noch immer ein Schutzraum und eine Spielwiese für Neonazis, eine Schande für die Stadt. Das lässt sich auch so schnell nicht ändern. Wir sehen nur eine Option: Das Geld in Zukunft einfach sinnvoller investieren, in Kultur, Sozialarbeit, Jugendarbeit. Dazu sollten die Werte Weltoffenheit, Vielfalt, Toleranz und Fairness in jeder Sportstätte dieser Stadt so groß zu lesen sein, dass die Sponsoren mit ihren Logos neidisch werden. Aber sie werden es verstehen. Und schließlich und schlussendlich müssen diese Werte gelebt und vermittelt werden. Die Stadt hat es nötig.

~Toni Rotter (Kommunalwahl Wahlkreis 4), Christian Neubauer (Kommunalwahl Wahlkreis 6)